Lichtenberg – Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann …

Lichtenberg um das Jahr 1780, Stadtansicht auf einer Hauswand

»Lichtenberg vereinigt großstädtisches Leben und dörfliche Idylle«, preist das Informationsportal des Bezirks – mit Recht. Die Barnimer Feldmark im Norden und das grüne Karlshorst im Süden, die Szene von Morgen im Gründerzeit-Viertel Victoriastadt am Ostkreuz und die Plattenbauten und breiten Straßen in Hohenschönhausen – Vielfalt und Abwechslung lassen im Grunde keinen Wunsch offen. Trotzdem kommt dem (West)berliner kaum Lichtenberg in den Sinn, wenn von Großstadt oder Idylle die Rede ist.

Ausgestattet mit 10 Ortsteilen ging der Bezirk Lichtenberg im Jahr 2001 aus der Fusion der bis dato souveränen Bezirke Lichtenberg und Hohenschönhausen hervor. Trotz der eigentlich zentralen Lage und guten Verkehrsanbindung, dauerte es fast eine Dekade, bis Lichtenberg anfing, den DDR-Muff abzuwerfen und sich neu zu definieren. Seitdem lockt das ‚Bündnis für Wohnen‘ City-müde Hauptstadtbewohner mit bezahlbarem Wohnraum und der Bezirk mit einem Image, das im Gegensatz zu den überhitzten Zentralbezirken noch Raum für Neues bietet – ein starkes Argument in der deutschen Hauptstadt des Lifestyles.

Lehmhäuser und Strohdächer

Dabei hat der Neuling schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel. Wie Pankow entstand Lichtenberg während der deutschen Kolonisation des Barnim um das Jahr 1230. Anno 1288 beendete ein Vertrag das Grenzgerangel zwischen Straulau und Rosenfelde und machte dabei auch Lichtenberg erstmals aktenkundlich. Die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert auf dem heutigen Loeperplatz ist Zeuge der Kinderstunden der Siedlung und bildet auch heute noch das historische Zentrum Lichtenbergs.

Der Name selber könnte auf die gelichtete Bergkuppe anspielen. Bei einer Höhe von rund 55 Metern im Mittel erreicht der Ort zwar keine luftigen Höhen, überragt aber doch vieles andere im flachen märkischen Sand in um rund um Berlin.

Viele Jahrhunderte pflegte die Siedlung entgegen des vielversprechenden Namens eher ein beschauliches Schattendasein. Doch dann machte Lichtenberg gleich mit einem Tusch auf dem Berliner Stadtplan breit: Im Sog der Industrialisierung stieg die Einwohnerzahl gegen Ende des 19. Jahrhunderts gleich so gewaltig, dass dem Dorf im Jahr 1907 quasi grundständig das Stadtrecht verliehen wurde.

Trotzdem blieb Lichtenberg von der großstädtischen Hektik vorerst unberührt. Karl Gutzkow, geborener Berliner, Dramaturg und Denker mit liberal-realistischer Gesinnung, erinnerte sich an das ländlich-rustikale Lichtenberg nach den Wirren des Vormärz zum Beispiel so: „Kleine niedrige Lehmhäuser mit dichten Strohdächern, eine düsterschattende Linde vor dem Tore, Räder, Deichseln, Latten den Eingang hemmend. Die Tracht war ländlich, kurze Jacke, lederne Hosen, bunte Nachtmützen; die Sprache plattdeutsch.‘ (Karl Gutzkow in seinen Erinnerungen ‚Aus der Knabenzeit‘, 1852).

Das neue Friedrichshain

Heute präsentiert sich Lichtenberg als moderner, bunter Bezirk. Karlshorst und Rummelsburg lassen inmitten ihrer bodenständiger Bürgerlichkeit allerorts kreative Nischen entstehen. Die Rummelsburger Bucht, einst Kulisse der romantischen Kahnfahrt zwischen den rauchenden Schornsteinen im berühmten DDR-Liebesfilm ‚Die Legende von Paul und Paula‘ aus dem Jahr 1973, hat sich zum Kleinod für Naturfreunde und Wassersportler gemausert. Doch Lichtenberg entdeckt nicht nur seine lange vernachlässigte Seeseite. Zwischen Rummelsburg, Nöldnerplatz und Ostkreuz tritt wohl der Geheimtipp aus dem Schatten der umgebenden Gleistrassen heraus: Der Kaskelkiez mit seinen sanierten Altbauten schickt sich, zum »neuen Friedrichshain« aufzusteigen und ist bereits jetzt die wohl begehrteste Wohngegend im gesamten Bezirk.

Das Kontrastprogramm bieten die sanierten Plattenbauten mit (N)ostalgie-Charme an der Landsberger Allee und die prächtigen Villen-Kolonie am Orankesee in Alt-Hohenschönhausen, die hier bis in die 1930er Jahre angelegt wurde und mit dem Mies-van-der-Rohe-Haus eine architektonische Kostbarkeit bereithalten, die allein schon den Weg hierhin lohnt.

All in all macht Lichtenberg somit einfach ein Angebot, das man nicht auf Dauer nicht ablehnen kann!