Treptow-Köpenick – Der Bezirk der Extreme

Szene aus Josef von Sternbergs Spielfilms

Treptow-Köpenick – das ist zunächst mal ein Zahlen-Feuerwerk der Extreme: Mit 18,9 Prozent der Stadtfläche ist Treptow-Köpenick der großflächigste Berliner Bezirk. Dennoch zählte der Bezirk am 31. Dezember 2012 nur 241.437 Einwohner pro Quadratkilometer, weniger als alle anderen Bezirke. Und noch weiter geht es mit den Extremen: Treptow-Köpenick verfügt mit 12,9 Prozent nicht nur über die größte Wasserfläche sondern mit 41,5 Prozent auch über die größte Waldfläche aller Berliner Bezirke. Und ansonsten? Verhältnismäßig hoch sind das durchschnittliche Alter der Bevölkerung (am 31. Dezember 2012 bei 45,5 Jahren) und dessen Arbeitslosenquote (am 30. April 2013 bei 10,1 Prozent), relativ gering dagegen der Ausländeranteil (am 31. Dezember 2012 bei 4,0 Prozent) sowie der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund (am 31. Dezember 2012 bei 8,4 Prozent).
Köpenick

Köpenick, welches sich erst seit dem Jahr 1931 mit dem wohl als deutscher empfundenen K anstelle des auf die slawischen Ursprünge weisenden C schreibt, hat die bewegtere Geschichte als Treptow, vor allem aber auch die weitaus längere: An der Mündung der Dahme in die Spree gelegen und damit mit dem Müggelsee einerseits und dem Berliner Zentrum andererseits verbunden, war es …

…wenig überraschend, dass Köpenick zunächst ein Fischerdorf war. Die Bezeichnung ist slawisch, so wie auch der Ursprung des Dorfes, und bedeutet Ansiedlung auf einem Erdhügel. Noch im 12. Jahrhundert befand sich hier die Hauptburg der Sprewanen unter ihrem stolzen Fürsten Jacza von Köpenick. Doch dann kam Albrecht I. von Brandenburg, auch genannt Albrecht der Bär, und nach einem heftigen Gerangel um die Vorherrschaft an Havel und Spree schlugen die Askanier ihre Zelte und Burgen in Köpenick auf und vertrieben die ursprünglichen Bewohner. Um das Jahr 1232 erhielt Köpenick nach Berlin/Cölln und Spandau als drittälteste Stadt im Berliner Raum das Stadtrecht.

Unumkämpft und step-by-step schälte sich dagegen Treptow aus dem Märkischen Sand heraus. Der Bezirk entwickelte sich entlang der Görlitzer Bahn, die vom gleichnamigen Bahnhof am Nordende Alt-Treptows bis nach Königs Wusterhausen reichte. Denn mit den Zügen kam auch die Wirtschaft in Fahrt und so erwuchsen hier links und nach rechts der Bahntrasse aus Ortschaften allmählich Stadtteile, die im Jahr 1920 in die entsprechend lang gestreckte, dafür nur sehr schmale Verwaltungseinheit Treptow aufgingen. Kurios ist übrigens, dass in Köpenick im Jahr 1899 mit dem zwischen Stralau und Treptow verlaufenden Spreetunnel die erste Berliner U-Bahn ins Rollen kam, während Treptow-Köpenick heute der einzige Bezirk ohne U-Bahn-Anbindung ist.
Der Hauptmann von Köpenick

Hoch hinaus ragen in Köpenick übrigens nicht allein die Müggelberge im Südosten der Stadt, mit ihren 114,7 Metern Höhe die höchste natürliche Erhebung Berlins überhaupt. Der besser als Hauptmann von Köpenick bekannte Wilhelm Voigt machte sich hier als sensationeller Hochstapler den bis zur Blindheit treuen Preußen-Gehorsam zunutze: Ungebremst drang am 16. Oktober 1906 der arbeitslose Schuster Voigt, kostümiert als Hauptmann und stilecht gefolgt mit einer aus dem Hut gezauberten Soldaten-Schaar ins nagelneue Rathaus ein, nahm resolut die Stadtkasse an sich und Bürgermeister und Stadtkämmerer in Gewahrsam.

Abgespielt hat sich dieser unvergessliche Lacher inmitten der Köpenicker Altstadt, in deren verwinkelten, mit Kopfstein-gepflasterten Gassen man auch heute noch bis zu 200 Jahre alte Häuser entdecken kann, meistenteils im Fischerkietz. Das in den Jahren 1901-1904 im Stil märkischer Backsteingotik erbaute Rathaus steht hier ebenso wie die robuste Backsteinkirche des Sankt Laurentius aus den 1830er Jahren, die an der Stelle eines älteren Gotteshauses aus dem 13. Jahrhundert errichtet wurde. Unweit der Altstadt könnten die in der Dahme gelegene Schlossinsel mit dem barocken Kurfürstensitz einen historischen Köpenick-Bummel abrunden.
Treptower Park

Kantiger ist da der Treptower Park, der ebenfalls zum Bezirk gehört und immer mal wieder Schauplatz politischer Demonstrationen war. In seiner Mitte steht das größte Ehrenmal, dass die Sowjetunion den Berlinern, vor allem aber sich selbst gesetzt hat. Angelegt als antifaschistische Gedenkstätte für die rund 80.000 (!) bei der Eroberung Berlins gefallenen Rotarmisten und gleichfalls als Friedhof wird die monumentale Anlage von einem gesockelten Soldaten mit einem Kind auf dem Arm bekrönt, der stolz und drohend auf einem zerborstenen Hakenkreuz steht. Ganz anders wieder der zauberhafte Luisenhain am Flussufer der Dahme, an dessen lindem Grün kein Krieg noch Pathos kratzte. Doch das ist wieder so ein Kontrast aus dem Bezirk der Extreme …