E.T.A Hoffmann – Des Vetters Eckfenster (1822)

Friedrich August Calau, Gendarmenmarkt mit Nationaltheater, um 1815

In E.T.A. Hoffmanns Roman aus dem Jahr 1822 geht es um Chaos und Kreativität in der Großstadt.

In den 1820er Jahren war Berlin zwar noch nicht Haupstadt, aber schon auf dem besten Weg sich in eine Großstadt zu verwandeln. In E-.T.A. Hoffmanns ‚Des Vetters Eckfenster‘, einer literarischen Skizze mit autobiographischen Bezügen, macht der ans Bett gefesselte Vetter seinen Besucher immer wieder auf das hektische Treiben auf dem Gendarmenmarkt vor seinem Fenster aufmerksam: ‚[…].

Jener Markt bietet dir nichts dar als den Anblick eines scheckichten, sinnverwirrenden Gewühls des in bedeutungsloser Tätigkeit bewegten Volks. Hoho, mein Freund, mir entwickelt sich daraus die mannigfachste Szenerie des bürgerlichen Lebens, und mein Geist, […] , entwirft eine Skizze nach der andern, deren Umrisse oft keck genug sind. […].‘ (E.T.A. Hoffmann: Des Vetters Eckfenster, in: ders., Werke, 4 Bde., Frankfurt a. M., S. 384).

Das klingt zunächst ziemlich negativ. Andererseits veranlasst das ’sinnverwirrende Gewühl‘ und die ‚bedeutungslose Tätigkeit‘ vor seinem Fenster den Vetter überhaupt erst dazu, das Gesehene zu beschreiben und darzustellen; seinen Vetter will er schließlich die ‚Kunst des Schauens‘ lehren. Die chaotische Großstadt wird so zur Inspirationsquelle kreativen Schaffens. Gestern wie heute …