Kladderadatsch – Berliner Satirezeitschrift (1848-1944)

Kladderadatsch, Titelbild der Erstausgabe von 1849

Über 90 Jahre lang bot die Berliner Satirezeitschrift Kladderadatsch der Berliner Kodderschnauze eine Bühne für scharfzüngig-witzige Seitenhiebe auf

Das Berliner Wesen offenbart sich wahlweise in flotten Gassenhauern, sehnsüchtig-sentimentalen Versen und schwindelerregend-experimentellen Romanen. Aber auch die Satire ist der Berliner Kodderschnauze nicht fremd, ja in gewisser Weise ist sie ihr wie auf das Mundwerk geschnitten.

So wurde auf Initiative des liberalen Possendichters David Kalisch im Jahr 1849 die Wochenzeitung ‚Kladderadatsch‘ gegründet, die mit ihrer kritisch-spöttischen Dynamik und ihrer unverhohlenen Offenheit in die hitzigen Jahre der Märzrevolution einschlug wie eine Bombe.

Nach der gescheiterten Revolution setzte das betont liberale Blatt auf Nummer sicher, schwenkte auf einen gemäßigteren Ton um und begleitete Preußens Aufstieg und das weitere Reichsgeschehen fortan nimmermüde und mit kritisch-bissigem Witz, ohne dabei die bestehenden politischen Verhältnisse im Kern in Frage zu stellen.

Erst im Jahr 1944 wurde dasErscheinen eingestellt. Insgesamt arbeitete sich der Berliner damit über 90 Jahre lang und ungerührt wechselnder Staatsformen aktuellen politschen Verhältnissen ab und bewies damit von allen Berliner Satireblättern mit Abstand den längsten Atem. Die Beiträge, Glossen, Parodien und Karikaturen der Zeitschrift lieferten aber nicht nur klug-bekömmliche Seitenhiebe auf die politischen Schachzüge von Bismarck, Napoleon und Co. Stil und Ausdruck ließen auch die Berliner Herkunft des Blattes nicht verleugnen und so eroberte sich der ‚Kladderadatsch‘ nicht nur die intellektuelle Sympathie sondern wie im Sturm auch die Herzen seiner Leserschaft.