Valentin Manheimer – Mode von der Stange made in Berlin

Anton von Werner, Kommerzienrat Manheimer im Kreis seiner Lieben, 1887

Im Jahr 1836 brachte der jüdische Unternehmer und Kommerzienrat Valentin Manheimer den Berlinerinnen die Konfektionskleidung bzw. zunächst erstmal den Konfektionsmantel: In seinem Atelier in der Oberwallstraße 6 am Hausvogteinplatz suchten sich die Damen ihre neuen Mäntel direkt von der Stange aus und mussten nicht mehr unbequem herumstehen und den Schneider Maß nehmen lassen.

Von erschwinglicher Massenproduktion à la ‚H&M‘ oder ‚Zara‘ konnte allerdings nach wie vor keine Rede sein – beherzt konnte auch hier nur zugreifen, wer ein dickes Portemonnaie in der Tasche hatte.

Zwei sehr unterschiedliche Ereignisse begünstigten die Produktion enorm und ließen die Manheimerschen Mäntel made in Berlin bald in Konkurrenz zu den Herstellern in Paris und den USA treten: Die fabrikmäßige Herstellung und entsprechende Erschwinglichkeit der Nähmaschine und die Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871.

Die Oberwallstrasse avancierte schließlich zur ersten echten Modemeile in Berlin, indem sich hier eine ganze Reihe weiterer textilverarbeitender Unternehmen ansiedelten – darunter die von David Leib Levin, Ludwig Lesser, Hermann Gerson oder den Gebrüdern Lewy.

Berliner Kleider aus dieser Zeit muss man sich übrigens so vorstellen, wie auf dem Gemälde Anton von Werners, das Manheimer im Kreis seiner Familie zeigt …